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Künstliche Intelligenz in der Beratung: Mehr Klarheit für komplexe Entscheidungen

15. September 2026

Künstliche Intelligenz kann Informationen schneller erschließen und wiederkehrende Aufgaben unterstützen. Ihr wesentlicher Nutzen für Mandanten entsteht jedoch erst durch die fachliche Einordnung: Wenn aus den gewonnenen Erkenntnissen mehr Klarheit und eine belastbare Grundlage für komplexe Entscheidungen werden. Darüber haben wir beim Aderholdtreffen 2026 in Leipzig diskutiert.
Akten und umfangreiche Dokumente sichten, Informationen ordnen, recherchieren oder erste Textfassungen erstellen: Künstliche Intelligenz kann viele dieser Aufgaben bereits heute beschleunigen. Für eine Kanzlei ist das eine konkrete Entwicklung. Sie betrifft die tägliche Arbeit ebenso wie die Zusammenarbeit mit Mandant:innen, die Ausbildung junger Kolleg:innen und die Frage, welche Leistungen künftig besonders gefragt sein werden.
Deshalb stand künstliche Intelligenz beim diesjährigen Aderholdtreffen im Mittelpunkt einer Keynote und der anschließenden Diskussion. Unser Ausgangspunkt war nicht die Frage, ob KI juristische oder betriebswirtschaftliche Beratung vollständig ersetzt. Entscheidend ist vielmehr: Wo schafft sie einen konkreten Mehrwert für Mandant:innen, welche Aufgaben verändern sich und an welchen Stellen bleibt menschliches Urteil unverzichtbar?
Prof. Dr. Lutz Aderhold eröffnet das Aderholdtreffen 2026 in Leipzig.

Die Arbeit verschiebt sich

Wo Vorgänge häufig nach ähnlichen Mustern ablaufen, kann KI Informationen schneller erschließen und für die weitere Bearbeitung vorbereiten. Standardisierbare Aufgaben werden dadurch weniger Zeit beanspruchen oder näher an die Rechts- und Fachabteilungen der Unternehmen rücken. Kanzleien werden sich noch stärker auf komplexe Situationen, spezialisierte Fragestellungen und die belastbare Bewertung konzentrieren.
Das heißt nicht, dass fachliche Arbeit an Bedeutung verliert. Ihr Schwerpunkt verschiebt sich. Wenn die reine Informationsbeschaffung schneller wird, gewinnen Auswahl, Einordnung und Begründung an Gewicht. Aus einem maschinell erzeugten Ergebnis wird erst dann eine tragfähige Empfehlung, wenn es zur tatsächlichen Sachlage passt, fachlich plausibel ist und mögliche Folgen mitbedacht werden.
Für Mandanten kann das bedeuten, früher einen belastbaren Überblick zu erhalten und mehr Zeit für die entscheidenden Fragen zu gewinnen. Die Geschwindigkeit der Technik ist dabei nicht das Ziel an sich. Sie soll dazu beitragen, Zusammenhänge besser zu erkennen und Entscheidungen fundierter vorzubereiten.

Ein konkreter Ansatz in der Restrukturierungsberatung

Gerade in Sanierungs- und Restrukturierungssituationen ist Zeit ein entscheidender Faktor. Zu Beginn müssen häufig umfangreiche Kredit-, Sicherheiten- und Finanzierungsunterlagen gesichtet und in einen belastbaren Zusammenhang gebracht werden. Wiederkehrende Strukturen bieten hier einen sinnvollen Ansatz für den Einsatz von KI.
Die Technik kann dabei helfen, Dokumente schneller zu ordnen, Sachverhalte auffindbar zu machen und erste Auffälligkeiten zu benennen. Das schafft früher einen Überblick und damit Zeit für die Fragen, die sich nicht standardisieren lassen: Welche Bedeutung hat eine Information im konkreten Fall? Welche Annahmen sind belastbar? Wo bestehen Widersprüche? Welche Entscheidung ist unter den tatsächlichen wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen vertretbar?
Und hier zeigt sich ein wesentlicher Mehrwert von Aderhold: Wir führen die mit Unterstützung von KI gewonnenen Erkenntnisse aus anwaltlicher, wirtschaftsprüferischer und unternehmensberaterischer Sicht zusammen. So werden rechtliche, finanzielle und operative Zusammenhänge nicht isoliert betrachtet. Aus einzelnen Hinweisen kann eine Gesamtbeurteilung entstehen, die Mandanten bei schwierigen Entscheidungen Orientierung gibt.
Anregende Diskussion im Panel.

Erfahrung und neue Kompetenz zusammenbringen

Damit KI in der Beratung sinnvoll eingesetzt werden kann, müssen unterschiedliche Erfahrungen zusammenkommen. Erfahrene Kollegen können Ergebnisse aufgrund ihrer fachlichen Praxis einordnen, Zusammenhänge erkennen und Risiken beurteilen. Jüngere Kollegen bringen häufig größere Nähe zu neuen KI-Anwendungen und veränderten Arbeitsweisen mit.
Lernen verläuft deshalb in beide Richtungen. Erfahrene Kollegen geben Urteilsvermögen und Kontextwissen weiter. Jüngere Kollegen unterstützen umgekehrt dabei, neue Anwendungen zu erschließen und kritisch in die Arbeitsabläufe einzubinden. Dieses wechselseitige Mentoring verbindet fachliche Erfahrung mit technischer Kompetenz. Davon profitieren vor allem unsere Mandant:innen: durch besser geprüfte Ergebnisse und eine Beratung, die neue Möglichkeiten nutzt, ohne die fachliche Sorgfalt aus der Hand zu geben.

KI ist eine Organisationsaufgabe

Der verantwortliche Einsatz von KI lässt sich nicht an einzelne technikinteressierte Personen delegieren. Auch das Kanzleimanagement oder ein Ausschuss kann die Veränderung nicht allein tragen. Erforderlich ist eine verbindliche Struktur, die den Austausch in der gesamten Kanzlei ermöglicht.
Dazu gehört, erfahrene und weniger erfahrene Kollegen zusammenzubringen, Erkenntnisse aus unterschiedlichen Rechts- und Tätigkeitsbereichen zu teilen und klare Zuständigkeiten zu schaffen. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit weiteren Fachrichtungen, etwa aus Datenanalyse, Prozessgestaltung und technischer Entwicklung. Denn der Einsatz von KI betrifft nicht nur die juristische Qualität, sondern auch Abläufe, Daten, Sicherheit und Zusammenarbeit.
Aus einzelnen Versuchen kann so ein gemeinsamer Lernprozess werden. Anwendungen lassen sich an konkreten Aufgaben prüfen. Erfahrungen werden ausgetauscht. Grenzen und Risiken werden sichtbar. Und es entsteht ein gemeinsames Verständnis dafür, wo KI unterstützt und wo sie nicht eingesetzt werden sollte.

Die letzte Meile ist entscheidend: Verantwortung bleibt persönlich

Künstliche Intelligenz kann Geschwindigkeit erhöhen und neue Möglichkeiten eröffnen. Sie kann aber keine Verantwortung übernehmen. Diese bleibt bei den Menschen, die Ergebnisse prüfen, Entscheidungen vorbereiten und Empfehlungen aussprechen.
Für Aderhold bedeutet das: Wir setzen uns ernsthaft mit den Möglichkeiten von KI auseinander, weil sie unsere Arbeit verändert und Mandant:innen neue Formen der Unterstützung eröffnen kann. Unser Maßstab ist der konkrete Nutzen: schneller Klarheit gewinnen, fachübergreifende Zusammenhänge erkennen und Entscheidungen fundierter vorbereiten. Zugleich halten wir an dem fest, was Beratung in komplexen Situationen ausmacht: fachliche Tiefe, sorgfältige Einordnung und persönliche Verantwortung.
KI übernimmt die Strecke. Aber bezahlt wird die letzte Meile: Vertrauen, Urteil, Verantwortung. Anwälte und Berater werden dort gebraucht, wo Maschinen nicht hinkommen: bei der Entscheidung (mit Haftung) und beim Menschen. Wer die Effizienzgewinne ernst nimmt, gewinnt Zeit für das Eigentliche: beraten statt verwalten. (Dr. Daniel Halft, Keynote Speaker)
Keynote Speaker Dr. Daniel Halft.
Das Aderholdtreffen 2026 war dafür kein Abschluss, sondern ein gemeinsamer Arbeitsstand. Die Aufgabe besteht nun darin, sinnvolle Anwendungen weiter zu prüfen, Wissen systematisch zu teilen und den Umgang mit KI so zu gestalten, dass technische Möglichkeiten und professionelle Verantwortung zusammenpassen.